Mit meinem Cosplay-Hobby lerne ich viele neue Menschen kennen. Oft. Auf fast jeder Con. Ich hatte schon mal geschrieben, dass das Segen und Fluch zugleich ist, denn so viele Menschen kann man gar nicht „bedienen“, sprich, ihnen die Aufmerksamkeit geben die man ihnen gern geben würde.
Das hat mich Ende des letzten Jahres so sehr gestört, dass ich am liebsten nirgendwo mehr hingehen wollte, damit das nicht ständig weiter passiert. Cons zu meiden ist das eine, grade für mich recht einfach weil ich viel iRl um die Ohren habe. Aber das Leben meiden geht nicht. Andere Hobbies bei denen es Veranstaltungen gibt, hübsche Menschen die man zufällig trifft und die man fotografieren möchte, man trifft immer Menschen.

Zum Thema Kontakt halten gehört aber nicht nur die Zeit dafür zu haben/zu nehmen. Sondern auch: wie eigentlich?
Für die meisten Menschen ist das „Wie“ ganz einfach mit der Antwort „Facebook“ belegt. Das wirkt auch so schön einfach. Ich hatte das auch so schön einfach. „We’ll write on facebook“. Aber in 90% der Fälle wird schon das für mich zu einem Problem. Ich würde gern mit einem Menschen Kontakt halten, aber ich weiß zB nicht ober er das möchte. Dh ich stehe vor dem Dilemma: Auf Facebook eine Freundschaftsanfrage stellen oder nicht? (oder insert random messenger here, wobei ich als bisher standhafter what’s app Verweigerer damit nicht soooo viele Probleme habe) Vermutlich wäre es unhöflich sie abzulehnen, also weiß ich nicht, ob ich diesen Menschen dann damit belästige. Und das ist etwas, was ich nicht will. Ich möchte, dass ein Mensch aus freien Stücken mit mir spricht.
Interessanter Artikel der in eine etwas andere Richtung geht, sich aber auch mit Webmanipulation beschäftigt, übrigens hier.
Das klingt sehr trivial, aber ich war schon immer ein Mensch der nur Leuten auf den Sack gehen kann die er wirklich gut kennt. Bei allen anderen bin ich sehr darauf bedacht das zu vermeiden.
Problematisch wird es, wenn mein Gegenüber ebenfalls ein Socialy Awkward Penguin ist und mir selber nie eine Anfrage stellen würde, nur das ich dann nicht weiß ob er einer ist, oder ob er einfach kein Interesse daran hat.

Hat sich dieses Problem erledigt, entweder weil ich mich dazu durchgerungen habe eine Anfrage zu stellen, weil sie gestellt wurde, oder das Ganze einfach in der Vergangenheit liegt, dann ist die Frage: und nun?
Ich habe einen Kontaktkanal, aber nun passiert etwas, das mir mit fast allen Menschen so geht: ich habe keinen Grund sie anzuschreiben. Da entspreche ich zu 100% dem Klischee der Deutschen, es gibt nichts zu bereden, solange es nichts zu bereden gibt. Ich bin ein unglaublich schlechter smalltalker, sowohl off- als online. Wenn man mir einen Gesprächspartner gibt der mir Vorlagen liefert um etwas dazu zu sagen, dann kann ich mich wundervoll unterhalten, aber ohne wird das schwierig. Es gibt nur sehr wenige Menschen die ähnlich wenig sprechen wie ich, mit denen ich es in einem Raum aushalte, denn ich kann so etwas nicht gut ertragen.
Online ist diese Situation natürlich nicht so direkt vorhanden, da schreibt man dann einfach nicht. Wenn ich aber nun einem alten Freund gern sagen möchte das ich an ihn denke, und er mir immernoch wichtig ist, dann ist das – für mich – eine schwierigie Situation. Denn natürlich kann ich das genau so schreiben – habe ich auch schon gemacht – aber es ergibt sich kein Gespräch daraus. Und das fühlt sich dann wieder awkward an.
Sagt man nichts, geht der Mensch dann davon aus das man kein Interesse an ihm hat. Nur wenige, mit denen ich recht vertraut bin, tun das nicht. Das denke ich jedenfalls. Auch sonst: wenn ich etwas schreibe: wie vertraut ist ok? Wie viel ist zu viel? Konversationen mit neuen Menschen sind für mich immer ein Spießrutenlauf.

Das wurmt mich, und ich finde es schade, das ich da noch nicht die Balance gefunden habe.

Ich glaube, ich kenne eine Menge Menschen, die mit Essen kämpfen. Das geht mir auch so. Beide Hobbies die ich habe sind relativ oberflächlich und haben (auch) etwas mit Aussehen zu tun. Zwar ist es im orientalischen und Tribal Tanz Gang und Gäbe Frauen mit etwas mehr Hüftgold zu sehen, aber ich gebe zu, dass mein Schönheitsideal schon recht stark dem „allgemeinen“ entspricht. Kurven darf es haben, androgyn ist nicht so mein Ding, aber schlank. Ich bin kein Fan von Hüftanacondas. Und bevor das mal wieder jemand in den falschen Hals bekommt: ich habe nichts dagegen, wenn jemand für sich entscheidet, das ihm das egal ist. Jeder darf die Schönheitsideale haben die er möchte, und cosplayen darf jeder, und der Taillenumfang sagt auch in keiner Art und Weise aus ob man ein guter Cosplayer oder Tänzer ist. Und hübsche Gesichter hängen auch nicht vom Gewicht ab. Das hat einfach etwas mit Geschmack zu tun, und über den lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Meine Figur ist recht „normal“. Ich bin nicht übermäßig schlank, aber auch nicht wirklich dick. Außerdem bin ich über 30 – und ja, irgendwann wird es für die meisten Frauen deutlich schwieriger schlank zu bleiben. Was ich aber immer hatte, auch als ich noch jung und dünn war, ist ein Schwabbelbauch. Dieser Bauch, den jeder bei 2 Jährigen total süß findet, er ist einfach bei mir nie weggegangen. Alle meine Freundinnen bekamen irgendwann einen „erwachsenen“ flachen Bauch, nur ich nicht.

Dieser Bauch stört mich. Meine Hüften und meine Oberschenkel stören mich. Also typisch Frau. Ich habe irgendwann mal kräftig zugelegt, aber auch wieder kräftig abgenommen. Das hat toll funktioniert. Ich habe danach 10 Jahre lang nicht zugenommen, bis irgendwann im Urlaub. Da waren es auf einmal 5 Kilo mehr, und die wollen nicht mehr verschwinden. Ich habe die „Diät“ von damals versucht. Bisher hat die immer gut funktioniert, nach den üblichen 2 Weihnachtskilos mehr. Nichts. Es klappt einfach nicht.
Außerdem ist da dieser Bauch, der einfach da bleibt, egal was ich tue. Ich kämpfe mit dem Essen. Essen ist dummerweise das Einzige, womit ich mich belohnen kann. Ich liebe Schokolade. Ich habe Heißhunger auf Schokolade. Und damit meine ich nicht, das ich Lust auf Schokolade habe. Sondern es geht mir schlecht, richtig körperlich schlecht, wenn ich keine bekomme. Ich weiß, das so etwas auch mit Stress und Lebensumständen zu tun hat.

Ich kann also nicht ohne die Schokolade, aber nicht, ohne im Nachhinein sofort ein ultra schlechtes Gewissen zu haben. Es ist also egal ob ich esse oder nicht, ich fühle mich scheiße.
Hin- und wieder befrage ich das Internet zu dem Thema. Ja, das ist idR keine großartige Idee, denn dort gibt es viele Experten die keine sind. Viele Dinge die man zu Bäuchen findet, decken sich aber. Ich bin mir relativ sicher, dass mein Bauch auch ein Blähbauch ist. Schon allein dadurch, dass ich Wasser mit Kohlensäure trinke. Nun gibt es dazu tausend gute Tipps, und alle, aber durchweg alle, lassen sich nicht mit mir vereinbaren. Das schöne ist, dass die Autoren einem weismachen wollen dass es das IMMER ist. Beispiel:
Die passenden Lebensmittel für mich wären (vermutlich) so etwas wie Ananas, stilles Wasser, ungesüßter Tee.
Von allen dreien bekomme ich einen Würgreiz. Das ist kein Witz. Ich hatte mal eine Kommolitonin, die meinte: „Leute die etwas nicht essen stellen sich nur an“. Sie kannte das nicht. Ich kenne das. Ich stecke etwas in den Mund und habe das Gefühl mich übergeben zu müssen. Durchweg alle Lebensmittel die pro flacher Bauch sind scheinen zu dieser Gruppe zu gehören (wenn man überhaupt etwas findet was man DARF, idR findet man nämlich nur Listen was man NICHT darf). Vermutlich kann man sich an so etwas gewöhnen, allerdings habe ich zB sehr lange gebraucht bis ich mich überhaupt daran gewöhnt habe Wasser zu trinken. Das hat mehrere Jahre gedauert. Ich probiere (bis auf Ananas) auch viele Dinge immer und immer wieder, in der Hoffnung das sich etwas geändert hat.
Außerdem heißt es immer so schön: iss viele Mahlzeiten über den Tag. Das hat gleich mehrere Probleme:

a) Ich habe ja immer noch nicht rausgefunden was eigentlich, es steht ja überall nur was nicht, und das ist gefühlt alles.

b) Ich arbeite. In einem Büro mit drei Leuten. Das in einer Wohnung ist. Der Kühlschrank gehört nicht mir, und auch nicht dem Büro, sondern dem Wohnungsbesitzer. Ich kann mir dort nichts einlagern, aus diversen Gründen die hier nicht hingehören. Die Kollegen gehen mittags essen. Ich würde dann immer allein dort hocken, im Grunde in einer fremden Wohnung. Außerdem ist das Füße vertreten Mittags nicht das schlechteste.

c) hat b) zur Folge, das ich zweimal am Tag „richtig“ esse, oder jedenfalls meistens.

d) Essen dient für mich nicht nur der Nahrungsaufnahme. Im Büro bespricht man beim Essen Dinge außenrum, und ich koche abends mit meinem Freund, es ist also etwas gesellschaftliches.

e) möchte ich keinem anderen meinen Essensstil aufdrängen, einfach weil ich das unhöflich finde.

Das heißt, wenn ich meine Ernährung auf diese Art umstellen würde, würde sich mein ganzes Leben der Ernährung unterordnen, und zwangsläufig müssten das auch andere, was einfach gar nicht funktioniert. Außerdem wäre das keine groß andere Situation als jetzt: Ich ordne mich der Ernährung unter, nur darin, dass sie mich nervt. Anders würde sie auch nerven, aber auf eine andere Art.

Dann kommt noch dazu, das ich von kleinen Portionen nicht satt werde/mich nicht satt fühle. Die Kollegin sagt immer: nach einer Banane fühle ich mich total voll. Ich nicht. Eine Banane. Ich lache. Ich fühle mich nicht mal nach einer Pizza voll. Da braucht es schon ein Weihnachtsmenü von meiner Oma.
Übrigens machen Äpfel mich hungrig. Ich möchte jedesmal in computer/Person/wasauchimmer  reinschlagen, wenn der typische Spruch „iss doch zwischendurch mal einen Apfel“ kommt. Von Äpfeln bekomme ich Hunger. Es gibt so Blutzuckertypen bei denen das so ist, und herzlichen Glückwunsch, bei mir scheint das so zu sein.

Die neuste Erkenntnis ist übrigens: wer schlecht schläft schüttet angeblich mehr Cortisol aus (oder irgendwas in der Art), und wird schneller dick. Ich schlafe mein ganzes Leben schon schlecht, dadurch das ich JEDE NACHT wirre Dinge träume die mich fertig machen.

Vermutlich bleibt mir nichts anderes übrig als mal einen Ernährungsberater und ein Schlaflabor aufzusuchen. Denn dem Internet vertraue ich nicht wirklich XD

Und ja, es ist ein mimimi Eintrag mit First World Problems, und ja, ich bin froh das ich genug zu Essen habe, und ja, es tut mir leid das nicht alle Menschen der Welt das haben, und es macht mich trotzdem unglücklich. Deal with it.

Und nein, dieser Post braucht keine coolen Diät-Tip Kommentare, denn ich glaube nicht an Diäten außer weniger Essen. Es gibt Diäten, damit man sich mehr mit seinem Essen beschäftigt und bewusster isst. Das ist das was ich glaube. Außerdem liegt das Grundproblem wo anders (siehe oben).

Seit ca 13 Jahren wollen der Freund und ich heiraten, ein ganzes Jahr länger als wir zusammen sind übrigens. Mit Haus im Nacken haben wir dann im September ungefähr beschlossen, dass wir das doch mal in Angriff nehmen sollten. Im Oktober haben wir uns einen Termin gesucht, damit wir das auch wirklich machen. Das ist ähnlich wie die Deadline beim Kostüm, ohne arbeitet man einfach nicht dran |D

Es hat sich auch immer mehr herauskristallisiert, das wir einfach keine große Geschichte können und wollen. Wir haben sehr viele Freunde und die Grenze zu den Bekannten ist so schwimmend, das es sehr schwierig zu entscheiden wäre, wen man einlädt, ohne das sich die Hälfte auf den Schlips getreten fühlt, oder man 300 Leute rumstehen hat. Deshalb gibts nur die enge Familie plus Trauzeugen. Ich sehe das mit einem lachendem und einem weinendem Auge – zwar finde ich es schade einige Freunde nicht dabei zu haben, aber je weniger ich im Mittelpunkt stehen muss, desto besser. Ich gebe zu, ich war nie ein Freund von Hochzeiten. Ich habe nie vom weißen Kleid geträumt, nicht davon die Prinzessin zu sein (das kann ich ja wann immer ich will, dazu brauche ich keine Hochzeit), nicht davon im Mittelpunkt zu stehen. Je mehr Hochzeiten ich gesehen habe, desto mehr war mir klar, dass das nichts für mich ist. Auch wenn ich viele dieser Hochzeiten sehr schön und für das Paar perfekt fand. Nichts für mich.

Wir haben deshalb beschlossen, dass wir die Party lieber fürs Haus schmeißen. Nächstes Jahr, wenn Sommer ist, und Platz, und das Haus im Mittelpunkt steht.

Aber wir haben immerhin beschlossen, Pullis ohne Löcher anzuziehen.

Ja, eigentlich wollte ich hier nichts über Cosplay schreiben, aber dennoch tue ich das jetzt, weils einfach immer wieder in meinem Kopf ist. Übrigens, meine D-Taste funktioniert nicht immer. Wenn also hier ein typo mit D steht, dann liegt das daran.

Social Media ist toll für Cosplay. Und scheiße. In einem.

Jeder Cosplayer, seien wir mal ehrlich, ist ne kleine Attention Hure. Es geht einfach mit Cosplay zusammen, sich selber zu verkleiden und sich selber zur Schau zu stellen. Gut. Ich kenne tatsächlich zwei Personen, die nur anderen helfen, weil sie selber nicht cosplayen wollen. Ausnahmen gibt es also, aber 99% aller Cosplayer wollen sich zur Schau stellen, und ja, sie wollen Anerkennung. Denn egal auf welchem Level sich ihr Kostüm befindet, mit großer Wahrscheinlichkeit hängt ein Teil ihres Herzens dran.

Stopp. Ich rede jetzt von Cosplayern die ihre Kostüme selber machen. Mittlerweile haben wir viele Cosplayer, die ihre Kostüme kaufen. Was deren Beweggrund ist, weiß ich nicht so genau, weil mir das fremd ist. Ich habe zwei „zusammengekaufte und modifizierte“ Kostüme. Da kann ich jetzt nur von mir ausgehen, das ich für Cos etwas bequemes brauchte, because of reasons. Ein großes, Komplexes Kostüm mache ich persönlich lieber selber, und ich kenne die Motivation hinter den anderen nicht, deshalb kann es sein, das so etwas aus meinen Gedanken vielleicht rausfällt.

Nun, jedenfalls hängt bei mir immer ein Stück Herz im Kostüm, auch wenn ich nachher nicht zufrieden bin. In der Regel weiß ich auch wo etwas schief gelaufen ist. Ich weiß wo die Proportionen nicht passen, ich weiß wo der Stoff nicht passt, ich weiß wo die Farbe nicht passt, und vielleicht ist mir das ein oder andere *legasp* auch egal! Weil es mir so besser gefällt, weil es mir einfach nicht so wichtig ist.

So. Und ja, wenn ich etwas mag, dann bin ich vielleicht wie ein kleines Kind, und möchte es jemandem zeigen. Die gute Seite von Social Media: da ist das ganz einfach. Es gibt Plattformen die extra dafür gemacht sind, es gibt welche die dafür ge- oder missbraucht werden. Neuer Bonus dazu: es ist einfacher neue Leute kennen zu lernen, die das Gleiche lieben wie man selbst. Es gibt inspirierende Menschen. Es gibt viele Wege Dinge und Techniken zu finden, und sich viel Ausprobiererei zu sparen.

All das sind Merkmale von Social Media, die gern in den Himmel gehoben werden.

Und dann gibt es da eine Menge Neid. Eine Menge Idioten. Eine Menge Menschen, die nicht in der Lage dazu sind differenziert zu denken.

Ich fange mal mit letzterem an. Letzteres hängt nämlich zusammen mit der unumgänglichen Kritik. Kritik kommt nicht immer von Neidern, Kritik kann auch von Menschen kommen die helfen wollen, Kritik kann konstruktiv, destruktiv, oder schlichtweg neutral sein (was ich in den meisten Fällen für eher sinnfrei halte, denn ich denke, das Kritik einem helfen sollte).

Beispiel konstruktiv:
„Ich mag es wie du die Farben in deinem Kostüm einsetzt. Für den Stoff wäre ein xy vielleicht schöner gewesen, denn er entspricht der Epoche mehr, aus der das Kleid stammt. Die Stickereien sind hinreißend.“
Das berühmte Sandwitch.

Beispiel neutral:
„Das ist nicht so schön.“
Gut, jetzt stehe ich hier, weiß nicht wie ichs besser machen soll. Wenn das von einer person kommt, die ich kenne, die mein Können kennt, die damit einfach sagt: Du kannst das besser. Dann ist das ok. Ohne all das steht man etwas dumm da un weiß nicht, was einem das sagen soll.

Beispiel destruktiv:
„Das sieht aber scheiße aus, hör auf zu cosplayen, du bist doof.“
Ich denke, das ist indiskutabel.

Nun, die konstruktive Kritik liegt ziemlich klar vorn – dennoch: nachdenken vor dem Kritisieren: Ihr wisst nie was der Cosplayer sich bei dem, wie er es gemacht hat, etwas gedacht hat. Er kann sich gar nichts gedacht haben. Aber er kann sich auch eine ganze Menge gedacht haben. Er kann sich bewusst für einen Stoff entschieden haben, der nicht der Epoche entspricht. Weil er mit dem Kostüm vorranging auf Cons geht, und es deshalb oft gewaschen werden muss.
Er kann sein Kostüm umkonstruiert haben, weil es sonst schwierig ist, einen Auftritt damit zu machen.

Beispiel: mein Earthy Kostüm ist vorne nicht ganz bodenlang, meine Schuhspitzen schauen heraus. Grundsätzlich sähe bodenlang schöner aus. Aber beim Auftritt hätte ich mich, ziemlich unelegant, auf die Nase gelegt. Das wäre nicht Sinn und Zweck der Übung gewesen.

Deshalb finde ich an solchen Stellen kritische Fragen gut: „Ist es beabsichtigt, das der Stoff nicht der Epoche entspricht?“. Der Cosplayer kann sich rechtfertigen wenn er möchte: „Ja, weil xy“ oder „nein, ich kenne mich damit nicht aus, danke für den Hinweis“ (höflich sein sollte natürlich auch der Cosplayer).

Wichtig ist einfach, differenziert über etwas nachzudenken – auch über heikle Themen! Ja, da ist aktuell der große Shitstorm aller Ortens übers „blackfacing“. Ehrlich – ich habe bis dato den Begriff nicht gekannt. Den Vorgang kenne ich, aber den Begriff habe ich erst durch Cosplay gelernt. Und ja, es gibt Menschen, die haben nichts darüber gelernt, und nein, auch nicht in der Schule. Meine Meinung zu diesem Thema gehört nicht hier her. Hier her gehört, das sich kaum einer der Beteiligten am Shitstorm über das Thema vorher informiert hat, und wild losprescht. Hier her gehört, das die betroffenen nicht die Chance bekommen, sich zu rechtfertigen, das alle ihre Argumente nicht gehört werden.
Hier her gehört, das sich so etwas sehr schnell ausbreitet über soziale Medien. Ich glaube, darüber habe ich auch schon mal nachgedacht. Hier her gehört, das alles, aber auch alles, was irgendwo getan wird, in einen Kontext gesetzt werden muss. Ok, wir sind alle nur Menschen. Und ja, ich mache das auch nicht immer. Aber Grundsätzlich sollte man das tun.

Und nun kommt etwas sehr kontroverses:
Ich schrieb: Alle Cosplayer wollen irgendwie Aufmerksamkeit. Jup. Ich auch. Ich möchte, das die Leute mögen, was ich tue. Aber gleichzeitig gehe ich durch meine sozialen Medien und sehe eine Aufmerksamkeitsgeilheit, die mich nervt. Den Drang überall zur Schau zu stellen wie toll alles ist. Diese unsäglichen tausende selfies. Ja ich habe schon mal ein Selfie gemacht. Dennoch ist meine Einstellung dazu eher gestört. Selfies sagen für mich die meiste Zeit aus „GUCK MAL ICH HAB SO VIEL SPASS!!!!1elf“. Schlimmer als Cosplayselfies finde ich eigentlich normale Selfies gekoppelt mit Aussagen wie: gehe jetzt zur Bahn. Ein Cosplayselfie zeigt evtl wenigsten Freunden wie man heute aussieht. Oder einen Progress. Aber ein normales wie oben beschrieben schreit für mich gerade zu nach „ich hab nix zu sagen, aber sag mir wie geil ich heute ausseh!“. Ich differenziere: Urlaubsfotos vor Sehenswürdigkeiten gibt es seit eh und je. Ein Selfie auf der Chinesischen Mauer ist für mich so etwas. Das sagt: geil, ich kann die chinesische Mauer sehn. Ich als betrachter des Bildes würde zwar vermutlich lieber die chinesische Mauer sehen, als die Person darauf, die kenne ich ja, aber als Erinnerung, klar.
Dennoch scrolle ich oft durch meinen Feed und bekomme einfach einen Overload and Selbstdarstellung. Cosplay ist selbstdarstellung. Ich stelle mich auch selbst dar. Trotzdem nervt es mich. Es nervt mich so sehr, das ich oft überlege, meine diversen Profile zu löschen.

Hinzu kommen aber noch andere Faktoren, und ja, ein großer Faktor davon ist Neid. Es ist der Neid, das ich auf der Arbeit sitze und keine Zeit hab zum Nähen und zu basteln. Es ist der Neid, das ich einen Studenten sehe, der Zeit hat, und woher auch immer Geld! Das ich trotz meiner Arbeit nicht immer habe. Es ist der Neid, das ich mich dadurch nicht im gleichen Maße weiterentwickeln kann. Es ist der Neid, das diese Person es kann, und dadurch eventuell sogar gesponsort wird. Für mich ein Teufelskreis – denn ich wiederrum komme nicht in den Genuss von irgendwem Material oder Geld zu bekommen, weil ich keine Zeit und kein Geld habe etwas zu machen. Und das ist relativ. Denn ich bin ja schon in den Genuss von Sponsoring im Rahmen von Wettbewerben gekommen. Ja. Ich bin neidisch. Ich bin neidisch auf personen die mit jedem Post, der immer wieder die gleiche Art von Kostüm zeigt gesagt bekommen wie toll sie sind, und ich finde es ungerecht, das Personen die einen viel größeren Erfahrungsschatz haben, die viel mehr Können, das nicht bekommen (und nein, damit meine ich nicht mich – ich kann viele Sachen ok, aber keine richtig gut. Bin also anderweitig neidisch, s.o.). Und ja, ich bin neidisch, das ich keinen flachen Bauch habe, auch wenn ich sport mache, das ich nicht mit einer Stubsnase und perfekten Brüsten geboren wurde. Deal with it.

Auch dazu bei trägt der Fakt, das man zwar viele tolle Menschen kennenlernt, aber sich nicht alle um sie kümmern kann. Und wäre es dann nicht fast besser, sich herauszuziehen aus diesen Halb-beziehungen, und sich nur noch um die vor Ort zu kümmern? Die auch zu kurz kommen?

Ich könnte stundenlang weiterphilosophieren, aber ich muss arbeiten. Ihr wisst schon. keine Zeit und kein Geld und so.
Natürlich, auch dieser Blogeintrag hat, naja sagen wir, keine Finale Quintessenz. Kleinere auf der Strecke. Deshalb überlege ich oft, ob es nicht sinnvoll wäre, sich aus diesem ganzen Trubel zurück zu ziehen. Aber Cosplay für mich im Wohnzimmer? Hm. Dazu bin ich vermutlich zu viel Attention Hure. Aber vielleicht würde es doch was bringen? Vielleicht sollte ich damit anfangen, endlich meinen deviantArt Account zu löschen. Und cosplay.com löschen zu lassen. Und dann mal sehen.

Zur Zeit habe ich ein ganz seltsames Phänomen: nächstes Jahr ziehen wir um, mehr Platz, alles neu. Unsere Wohnung platzt aus allen Nähten. Ich fühle mich total unwohl und bedrängt – wir haben einfach zu viel Kram. Ich könnte aushalten bis nächstes Jahr, aber irgendwie fühle ich mich so unwohl, das ich gerne allerlei Sachen jetzt schon loswürde. Ich brauch sie auch vermutlich nicht mehr. Ich habe alte Perücken, die Fehlkäufe sind, ich habe Videospiele die ich nicht (mehr) spiele, ich habe Kostüme, die ich nicht mehr trage. All diese Sachen erdrücken mich regelrecht.

Dennoch ist es gar nicht so einfach das Zeut loszuwerden – nicht mal die Sachen an denen ich nicht hänge. Meine Videospiele sind nach kurzer Recherche noch etwa 0,1-4 Euro wert. Wenn ich etwas mehr Geld dafür möchte, muss ich mich schwer ins Zeug legen, auf Flohmärkte gehen, bei ebay einstellen, was auch immer – nichts, was mir garantiert, das ich sie los werde, und unheimlich viel Aufwand. Man kann sie fast verschenken oder einfach in den Müll schmeißen. Perücken sind ebenso schwierig – natürlich kann man sie auf allen Plattformen, auf denen man sich so bewegt, anbieten. Aber ob sie jemand kauft? Und wann? Selbes mit Schuhen, Bauchtanzröcken usw. Alles Nieschen“produkte“.

Und dann kommen die Kostüme, eine ganze Kategorie für sich! Ich hänge sehr an den Dingen die ich gemacht habe. Ich wünschte ich wäre eine dieser Personen, die ohne mit der Wimper zu zucken Dinge verkaufen können. Aber ich ringe Jahrelang mit mir, ob ich das verantworten kann. Und dann kommt noch hinzu, das ich alle Sachen zu schlecht gemacht finde. Ich gebe zu, wenn ich Kostüme für mich nähe, dann sind sie nicht zwangsläufig überall toll und sauber genäht. O’n the top cosplaye ich nur seltenst Dinge die gerade total trendy sind und überhaupt ankommen. Wenn ich mich ja überhaupt dazu entscheiden könnte, sie abzugeben…

Ehrlich gesagt habe ich einfach keine Zeit und auch keine Nerven dazu, mich darum zu kümmern. Ich habe geschlagene 4 Monate gebraucht, um meine Perücken endlich online zu stellen. Ich möchte gern alles auf einen Schlag loswerden. Wenn ich nur wüsste wo.

So richtig sehe ich da noch keine Lösung für mein Problem.

Eine neuer Monat bricht an, und ich habe endlich wieder eine Monatsfahrkarte für die Bahn (ich arbeite in der Altstadt, da zu parken ist…irgendwas, das noch schlimmer als die Hölle ist), endlich wieder fahren wann und so oft ich Lust habe. Na gut, darum geht es nicht. Ich habe aber heute morgen in der Bahn gesehen, das mal wieder eine Bäckerei geschlossen hat. Und gefühlt werden gleichzeitig 5 eröffnet. Der kleine, aber feine Unterschied: die Bäckerei die geschlossen hat, war ein Einzelbetrieb. Die, die öffnen sind Ketten, mit Selbstbedienung.

Die Deutschen rühmen sich für ihr Brot, und ganz ehrlich, im Urlaub vermisse ich es immer und jedes Mal. Brot aus diesen Ketten ist aber in der Regel eher mau. Es ist billig, aber schmeckt irgendwie nach Pappe, was kein Wunder ist bei den meisten Ketten bei denen das Brot aus mehr Backpulver als Mehl besteht. Ich gehe ungerne dort hin und meide auch zB Kamps, die unter dem gleichen Problem leiden (nur weil Menschen das Brot über die Theke reichen, heißt das nicht, das die Rezepte und Methoden besser sind…).

Auch unsere lokale Bäckerei hier ist von einer regionalen Kette abgelöst worden, was mich traurig macht, seit dem sind die Brötchen leider deutlich schlechter und altern auch schlechter.
Tja, als Bäcker verdient man wenig und hat harte und ätzende Arbeitszeiten. Die Menschen wollen einfach keine Kohle zahlen für ihr Brot. Wenn ich die Preise für Croissants bei Lidl oder Aldi sehe wird mir ganz übel (aber ich bin leider kein völliger Gutmensch, die von Aldi sind nämlich leider geil)…Handwerk ist nichts mehr wert. Das gilt ja leider nicht nur für die Bäckerei…das ist der Grund, warum ich nicht als Schneiderin arbeite. Das gemeine ist: ich kann die Menschen verstehen. Ich habe kein Geld, um mir meine Klamotten beim Schneider machen zu lassen. Ehrlich? Sweatshirtstoff zu kaufen kostet mich mehr als ein fertiges Shirt. Das ist unerhört (geiles Wort übrigens). Und ich bezahle mich selber nicht fürs Nähen.
Wenn wir unsere Küche fürs Haus kaufen, dann werden wir das nicht beim Schreiner tun. Wir können einfach keinen bezahlen. Das ist so unendlich traurig…ich finde Handwerk großartig. Menschen, die etwas so richtig schön von Hand machen können, das finde ich total bewundernswert. Ich habe Angst, das es irgendwann niemanden mehr gibt, der traditionelles Handwerk beherrscht. Das ist übrigens der einzige Grund warum ich das Pikieren in der Lehre überlebt habe. Und es gibt Tage, in denen ich überlege, ob ich nicht doch wieder dazu zurück kehren soll, einfach um es irgendwie am Leben zu halten.

Ich muss mir mal dringend positivere Themen suchen.

Am liebsten würde ich auf den Mars aufwandern. Zur Zeit finde ich, ist die Welt ein sehr ungemütlicher Ort. Krieg, Hunger, extremistische Menschen wohin man schaut – auf großer oder kleiner Ebene, Krankheiten, Datenklau, Helikoptereltern, Rohstoffknappheit, Flüchtlingsdramen, Müll, Umweltverschmutzung…….Menschen sind schon seltsame Tiere.

Das Krieg schlimm ist, wissen wir alle. Wir werden hier gerade gut damit konfrontiert, wenn auch zum Glück nicht mit ihm selber, sondern mit den Auswirkungen, und auch mit unserer traurigen Vergangenheit, die sich leider als allzu Gegenwärtig zeigt. Aber hinter Krieg und dessen direkten und indirekten Auswirkungen gibt es auch noch solche Dinge, die den meisten hier völlig egal zu sein scheinen, was machen schon ein, zwei oder 500 Überwachungskameras mehr aus? Im Zweifelsfall sind wir alle sicherer! Es gibt eine Folge von Star Trek tNG die ich nicht besonders mag, einmal weil das Thema doof ist, und zweitens weil es eine Wesley Crusher Folge ist (ich mag Wes nicht. Will Wheaton übrigens schon.). In der wird Wesley zum Tode verurteilt, weil er nicht wissentlich ein Gesetz gebrochen hat. Was zudem noch völlig absurd ist, aber dafür sorgt, das es keine Verbrechen mehr gibt. Manchmal habe ich das Gefühl, das wir uns dort hin bewegen.
Hier sind übrigens auch die Helikopter-Eltern am Start. Menschen, denen die Vollüberwachung mit Standort ihres Kindes durchs Handy nicht reicht. Menschen, die ihre Kinder chippen lassen wollen. Und Kinder, die schon so hirnverdreht sind, das sie sagen durch diese Überwachung fühlen sie sich sicher. Die zu völlig unmündigen Erwachsenen werden, und dann Politikern folgen, die ihnen „Stabilität“ geben, und dann hängen wir irgendwann wieder beim Krieg, weil niemand mehr in der Lage ist zu denken.

Wenn wir dann überhaupt noch Rohstoffe haben um zu existieren – genug Wasser, genug Rohstoffe zur Energiegewinnung, wenn alle Reserven aufgebraucht sind und man doch wieder nicht in erneuerbare Energien investiert hat oder danach geforscht hat, weil et hät noch immer jotjejange, wie der Kölner sagen würde.

Oder wir unter Müllbergen begraben sind. Ich liebe mein Hobby, ich gieße seit letzem jahr super gerne Steine und ähnliches, aber jedesmal wenn ich eine Session hinter mir habe, dann wird mir ganz übel vom Müll. Ich stelle mir Wall-E vor, und wieviele kleine Müll-Kuben er wohl damit quetschen könnte. Ich sehe meine Kostüme an und denke: die nützen niemandem mehr etwas, irgendwann wandern sie in den Müll, gefertigt aus niemals verrottendem Polyester, mit lang beständiger Kanekalon Perücke.

Bisweilen möchte ich mich richtig ekeln vor den Menschen, aus genannten Gründen, sowie das Mit- oder eher Auseinander, das ich erlebe. Jeden Tag sehe ich, wie Menschen sich über unglaubliche Belanglosigkeiten im Internet gegenseitig an den Hals springen. Seien wir mal ehrlich: im Zusammenhang mit der großen weiten Welt,  wen interessiert es eigentlich ob ein Mensch irgendwo etwas schön gebastelt hat, oder ob er 10cm mehr Taillenumfang als der völlig überschönte Charakter der Vorlage hat? Oder ob er zum Geier, Canon oder Nikon Kameras benutzt? Trotzdem gibt es dazu shitstorms. Ich denke oft, wenn ich meine sozialen Medien schaue, wow, diese Selbstdarstellungswut, diese Egozentrik, dieses nichts anderes tun als sich und sich und sich präsentieren. Natürlich kann ich mich davon nicht ganz ausnehmen. Auch ich poste Dinge im Internet von mir, und die ich gemacht habe. Dennoch ekelt es mich bisweilen nahezu an, wie sehr viele Menschen offenbar anderen beweisen müssen wieviel Spaß sie haben – nur im sich in den nächsten Bitchfight um Nichtigkeiten zu begeben, und Hexenjagden anzuzetteln. Denn das Gegenüber ist immer nur gut oder schlecht, nie etwas in der Mitte. Es gibt nie zwei Seiten, oder gar eine dritte, sondern nur eine.

Und dann frage ich mich: was kann ich eigentlich tun? An welcher Stelle kann ich ansetzen? Mir ist klar, das man sich für (oder gegen) all diese Themen engagieren kann, aber dieser Wust, diese unermessliche Größe an Scheiße die es in der Welt gibt, lässt mich völlig paralysiert zurück. Ich kann nicht mal entscheiden was mir am Wichtigesten ist, oder wo ich eine große Wurzel von Üblem sehe an der ich rupfen könnte. Ich weiß es einfach nicht, und dann igle ich mich ein, gehe zu meiner Nähmaschine, das schlimmste was mir da passieren kann ist, dass ich mir in den Finger schneide oder pikse, und werde wie alle anderen, zu einem Menschen, den ich doof finde, weil er nichts tut. Dazu kommt, das ich kein Held bin. Ich bin immer eher der Feigling, ich möchte, dass man mich mag, ich hasse Konfrontationen, und ich finde zudem in mehreren Seiten irgendetwas das ich verstehen kann, insofern bin ich schlecht darin eindeutig Stellung zu beziehen. Wenn ich nichtmal das kann, was dann? Was kann ich ausrichten? Man sagt, ja, jeder Mensch macht einen kleinen Unterschied. Das glaube ich auch. Aber ich weiß einfach nicht wo und wie ansetzen. Das ist übrigens keine Bitte um konkrete Webseiten auf denen steht: wie kann ich Flüchtlingen helfen. Das ich sowas zu jedem x-beliebigen schwierigem Thema bekommen kann ist mir klar. Mir geht es um meine innere Struktur.

Ich weiß, meine Blogeinträge hier enden oft mit Fragen, die im Raum schweben. Man möge mir das verzeihen, im Endeffekt sind es einfach Fragen von mir an mich selbst. Für den Anfang werde ich, ganz klein, die Daumen für meine türkischen Freunde (und für uns selbst) drücken, dass bei der Neuwahl etwas Sinnvolles rauskommt.